Ich werde … Vater (?)

Hallo Freunde!

Lange habe ich schon nichts mehr auf diesem Blog veröffentlicht, was an einigen turbulenten Phasen meines realen Lebens gelegen hat.
Angefangen hat alles vor fast zwei Jahren mit dem Beginn einer Fortbildung auf Meisterebene, dann ein großer Umzug, dann kurz darauf noch ein großer, ja kurzfristiger Umzug und eine Fehlgeburt.
Jetzt kamen dann Abschlussprüfungen, eine Operation – und vor mittlerweile einigen Monaten noch einmal eine Schwangerschaft die bis jetzt zwar nicht komplikationsfrei verläuft – aber dafür aus dem gröbsten raus ist!

Es hat eine Weile gedauert, bis ich realisieren konnte, was das bedeutet:

  • Ich werde Vater. Vater? Aber ich bin Transvestit / Crossdresser / unentschlossen
  • Wie mache ich das mit meinem Kind?
  • Werde ich Teilzeit-Dad, Wochenend-Mom oder irgendwas anderes?
Viele offene Fragen, auch für Kagami aus Lucky Star

Das sind Fragen, die schlagartig über mich hereingestürzt sind und die mich auch heute noch beschäftigen.

Ich möchte euch daher einladen, mich in den nächsten Wochen und Beiträgen auf dem Weg zu meinem wohl größten Abenteuer zu begleiten. Gerne könnt ihr mir in den Kommentaren Fragen zukommen lassen, mit denen ich mich auch gerne auseinander setze.


Heute möchte ich mich mit einer Frage auseinander setzen, deren Antwort ich brauche, um auch andere Fragen beantworten zu können: was und wer bin ich?

Ich bin ich, das ist soweit schon einmal eine sichere Feststellung. Das was bin ich, ist schwieriger. Ich bin ein Mensch, klar. Ich bin als Mann geboren. Auch klar. Ich habe mich lange Zeit als Mann sehr unwohl gefühlt und wäre lieber eine Frau gewesen. Aber: der Leidensdruck ist nicht mehr da. Ich habe eine Partnerin, die mich versteht, die mich akzeptiert. Ich kann mich jetzt auch als Mann wohl fühlen. Möchte ich aber nicht immer.

Ich habe das Gefühl, das ihn mir mehr ist, als nur eine männliche Seele, nur eine männliche Seite. Ich fühle mich häufig genug auch weiblich und möchte dieser Seite in meinem Leben auch einen Platz geben – aber eben auch nicht immer. Ich bin verwirrt.

Ein Freund hat mir erst vor kurzem eine interessante Frage gestellt, und sich das fast nicht getraut: Als ich vor einiger Zeit en femme, also komplett als Frau, mit ihm Zeit verbracht hatte, trug ich neue C-Cups Silikoneinlagen. ( btw. die sehen unter einem Shirt wirklich realistisch aus )

Quelle: Anisearch

Für ihn war das eine lustige, ja ulkige Situation, denn schließlich hat er mich noch nie mit C-Cups gesehen. Sein ausgestreckter Zeigefinger wanderte unaufhaltsam in Richtung meiner Brust, um dem Instinkt vieler Menschen im Bezug auf halbrunder, silikonartiger Dinge nachzukommen: hineinzupieksen. Das war mir in diesem Augenblick dermaßen unangenehm, das ich seine Hand weggeschoben habe. Ihn hat das verwirrt, schließlich waren es ja „nur“ Silikoneinlagen. Nachdem also lange Zeit verstrichen war, fragte er mich dann letztens, warum ich ihn weggeschoben habe, wie sich das mit den C-Cups für mich anfühlt.

Die Antwort darauf kam schneller, als ich es erwartet hatte, denn ich hatte mir bis dahin noch keine Gedanken dazu gemacht. Aber sie ist denkbar einfach: sie sind, wenn ich sie trage, ein Teil von mir und es ist mir einfach unangenehm, wenn mir jemand in die Brüste piekst!

Bis zu diesem Tag hatte ich mich selbst eher als Crossdresser oder Transvestit gesehen, doch kaum das ich das ausgesprochen hatte, wurde mir klar, dass die Bedeutung der inneren Weiblichkeit für mich viel größer war, als ich es mir bisher zugestanden hatte. Habe ich mich im Oktober 2017 noch in eine Tabelle für Transvestiten eingeordnet, habe ich heute das Gefühl, dass dieser Begriff auf mich nicht mehr passt.

Ich habe mich lange Zeit nicht mit den Begriffen der LGBTQ+ – Community auseinander gesetzt, nicht weil ich sie ablehne, sondern weil mir das häufig einfach zu kompliziert war. Aber nach besagtem Gespräch, war mir klar: das was ich beschreibe, passt sehr gut zu dem Begriff genderqueer.

Genderqueer ist ein Überbegriff für Menschen, die nicht in die Norm der Geschlechterbinarität passen. Es kann aber auch eine Geschlechtsidentität für Menschen sein, die sich sowohl als Frau und Mann (gleichzeitig oder abwechselnd) oder weder als Frau noch als Mann identifizieren. […]

Quelle: Queer Lexikon

Theoretisch kommt auch der Begriff genderfluid in betracht, der aber von genderqueer nicht genau abgegrenzt ist und sich in der Bedeutung auch überschneidet.

Diese Feststellung hat mein Leben aller Erwartung nach nicht fundamental verändert. Aber es hilft mir in meiner Selbstwahrnehmung, es gibt mir die Sicherheit, dass ich mit meinen Gedanken und meinen Gefühlen nicht alleine bin, das finde ich unglaublich tröstend.

Habt ihr auch ähnliche Gedanken oder Unsicherheiten?
Wie habt ihr zu euch gefunden oder wart ihr euch schon immer sicher?

Bis zum nächsten Mal!

Eure Cassidy

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